Die neue Fütterung: Keine Panik

283_0Die „neue“ Fütterung ab 2015

  • Die Proteinbewertung ist von verdaulichem Rohprotein (vRp) auf dünndarm- verdauliches Rohprotein (wiss.: präcecal verdauliches Rohprotein (pcvRp oder dvRp))umgestellt worden. Also: vRp wird dvRp
  • Die Energiebewertung ist ebenfalls umgestellt worden von verdaulicher Energie (vE) zu umsetzbarer Energie (wiss.: Metabolische Energie)(ME). Also: vE wird ME

Dennoch bleiben die seit Jahren bekannten Faustzahlen nahezu gleich:

  • Eiweiß : Energie = 6:1 (Erhaltung)
  • Eiweiß : Energie = 8,5:1 (Laktation)
  • Eiweiß : Energie = 7:1 (Wachstum, Jährling)
  • Calcium : Phosphor = 2.1
  • Rauhfutter: 2 kg/100kg Lebendmasse am Tag
  • Trockenmasse: 2-3% der Lebendmasse am Tag
  • Energiebedarf ausgewachsenes Großpferd am Tag
    • Erhaltung 70 MJ
    • leichte Arbeit 80 MJ
    • mittlere Arbeit 100 MJ
    • schwere Arbeit 120 MJ
    • sehr schwere Arbeit 140 MJ

Eine kleine Auswahl an Futtermitteln zeigt, dass die Futterinhaltsstoffe im Prinzip ähnlich geblieben sind und es keinen Grund gibt, holter die polter die bisherige Rationsberechnung über den Haufen zu werfen. Ihr dürft also gerne, ohne schlechtes Gewissen, die alten Futterwerttabellen oder auch die klassischen Rationsberechnungsprogramme, wie WINration, weiter verwenden.

ausgewählte Futtermittel dvRp (g) ME (MJ)
Weide v.d. Ä. 28 1,6
Weide i. Ä. 27 1,7
Weide 2. A. 29 1,5
Heu v.d. Ä. 74 8,1
Heu i. Ä. 60 7,2
Heu 2. A. 49 5,1
Grassilage früh 116 2,4
Grassilage Sommer 35 2,1
Grassilage Sommer überständig 21 2,2
Stroh 4 3,8
Hafer 79 10,5
Gerste 87 11,9
Mais 79 12,8
Sojaextraktionsschrot 343 10,9
Trockenschnitzel 61 10,7
Pflanzenöl 0 38,4
Weizenkleie 99 8,3
Möhren 4 1,2
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5 Responses to Die neue Fütterung: Keine Panik

  1. Johannes sagt:

    Hallo,
    Sie schreiben, „dass die Futterinhaltsstoffe im Prinzip ähnlich geblieben sind.“ Richtig toll wäre es, wenn Sie in der Tabelle die alten und neuen Werte gegenüberstellen würden, dann könnte man auf einen Blick abschätzen, wie groß die Änderungen sind. Mich würde besonders das Verhältnis von vXP zu pcvXP bei Luzerne-Heu interessieren.

    Danke auch für die Auflistung der Faustzahlen!
    Für (schwer) arbeitende Kaltblutpferde kenne ich noch: max. 2g vXP pro kg Lebendmasse im Hinblick auf Luzernefütterung. Jetzt frage ich mich natürlich, wie das jetzt mit pcvXP ausgedrückt richtig heißt.

    Vielen Dank!

    Johannes

  2. Hallo Johannes,

    jetzt aber, wir sind ein wenig in Verzug, aber am Anfang des Jahres sind immer die Ausbildungen zum Pferdewirtschaftsmeister/in. Und dann bleibt da mal was auf der Strecke.

    Die Gegenüberstellung ist nicht so einfach, weil sie aus verschiedenen Quellen kommt und nicht sicher ist, ob sich die alten und die neuen Werte vergleichen lassen. Ohne zu wissen ob gleiche Bedingungen bei Aufwuchs, Düngung und Ernte herrschten, haben wir mal die alten und die neuen Werte bei Luzerneheu verglichen

    1. Schnitt 98g vRp – 94 g pcvRp
    2. Schnitt 110g vRp – 122 pcvRp

    Du siehst, es lassen sich keine einfachen Umrechnungsregeln, wie neu 90%, festlegen, denn die Werte haben Zusammenhänge wie z.B. Rohfasergehalt, usw.. Auch sind die Berechnungsformeln einfach anders.

    Der Zielwert für das Eiweiß- Energieverhältnis für Erhaltung und Arbeit beträgt jetzt 6:1, früher 5:1. Hast Du den Energiebedarf, dann multiplizierst ihn einfach mit 6. Schon hast Du den Eiweißbedarf. Als Faustzahl kannst Du auch sagen: 3 g pcvRp multipliziert mit der metabolischen Lebendmasse (Lebendmasse hoch 0,75, können wir nicht anders in unserem Programm hier schreiben).

    Wir machen ja eigentlich überhaupt keine Werbung, aber spendiere Deinem Pferd 4,99 und Du bekommt unsere komplette Futtermitteltabelle. Lasse Dir nur nicht die Futtertabelle als eBook anschnacken, die kriegen die Formatierung nicht hin. Das ist nur Frust.

  3. Johannes sagt:

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Enthält das Büchlein denn die Formel, mit der man pcvXP bzw. ME berechnen kann? Bzw. auch eine genaue Erklärung, was diese genau bedeuten, auch im Unterschied zum verdaulichen Eiweiß bzw. Energie vorher?

  4. Hallo Johannes noch einmal,

    die Tabellen zur Pferdefütterung nennen jeweils die Bedarfe und gleichzeitig die auch derzeit bekannten Futtermittel, die nach dem neuen System analysiert wurden.

    Die Formel, wie man/frau von den Analysen zu pcbRp und MEPferd kommt, sind im Tabellenwerk nicht enthalten, weil diese Schritte nur sicher gelingen, wenn Futterexperten sie vornehmen. Die Beschäftigung mit diesem Thema ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Du kannst es versuchen, die Formeln sind kein Geheimnis. Wir können sie hier nicht eintippen, dass gibt das Eingabefenster nicht her. Hier ist kein Formeleditor installiert. Alle Details findest Du hier: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, (DLG- Verlag), Frankfurt/M. 2014 .

    Aber, wie gesagt, Vorsicht! Da können riesige Fehler eingebaut werden, wenn Du das System nicht perfekt beherrscht.

    Unser Tabellenbuch gibt Dir die Möglichkeit, den Energiebedarf individuell zu ermitteln. Der Eiweißbedarf ist dann ganz easy: Verhältnis Eiweiß:Energie = 6:1 beim ausgewachsenen Pferd. Die Verhältnisse für andere Pferde nennt das Tabellenwerk.

    Die Futtermittel selber musst Du immer auf ihre Nährstoffe vom Labor untersuchen lassen. Dazu benötigst Du eine professionelle Laborausstattung. Du musst dem Labor aber immer sagen, dass Du pcvRp und MEPferd haben willst. Und wenn Du diese Werte hast, dann musst Du noch genau hinschauen, ob das genannte Ergebnis in der Trockenmasse oder in der Frischmasse genannt wurde. Das Trockenmassenergebnis muss dann rechnerisch noch mal „verwässert“ werden.

    Nehmen wir einmal an, Dein eingeschicktes Heu hat eine Trockenmasse von 880g/kg, dann wird die Probe im Labor komplett heruntergetrocknet bis zu Gewichtskonstanz: 1000g/kg. Aus diesem absolut trockenem Futter werden jetzt alle Inhaltsstoffe analysiert und angegeben: z.B. pcvRp/TM. Wie kommst Du jetzt wieder zum Wert Deines eingeschickten Futters?

    Ganz einfach: Du multiplizierst das Laborergebnis aus der Trockenmasse mit 0,880 und „verlängerst“ oder „verwässerst“ das Laboranalyseergebnis, wenn es Dir in der Trockenmasse (TM) angegeben wurde. Neben dem korrekte Begriff Trockenmasse wird auch noch der alte Begriffe Trockensubstanz (TS) benutzt.

    Viele liebe Grüße vom WINration TEAM

  5. Johannes sagt:

    Hallo,

    vielen Dank wieder für diese ausführliche Antwort und den Literaturhinweis!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Johannes Kayßer

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